Beratungsbeispiele von Studierenden
Die Anliegen der Studierenden, die zu uns kommen, sind sehr unterschiedlich. Selbstverständlich gehen wir ganz individuell auf Ihr eigenes, persönliches Anliegen ein. Der Berater oder die Beraterin legt gemeinsam mit Ihnen das Themenspektrum der Beratung fest. Sie setzen sich das Ziel, welches Sie erreichen möchten. Wir werden Sie mit unserem Wissen und unserer Erfahrung unterstützen, dieses Ziel zu erreichen und Ihre eigenen Kompetenzen und Ressourcen (wieder) besser zu nutzen.
Die folgenden Beispiele aus unserer Beratungspraxis werden anonymisiert wiedergegeben, da uns die Vertraulichkeit sehr wichtig ist. Sie geben einen Einblick, wie Beratungen bei uns ablaufen können.
- Habe ich das richtige Studienfach gewählt?
- Wie kann ich meine vielseitigen Interessen im Studium und Privatleben besser verwirklichen und wie lässt sich dies in meinen Stundenplan integrieren?
- Ich schiebe immer alles vor mir her und komme dann unter grossen Zeitdruck - wie kann ich meine Zeit besser einteilen?
- Wie kann ich meine Prüfungsangst bewältigen?
- Welche Tätigkeitsfelder stehen mir nach Studienabschluss offen?
- Der Betreuer meiner Arbeit kommt mir zu nahe, aber ich traue mich nicht, ihm Grenzen zu setzen, weil ich befürchte, dass er dann meine Arbeit schlechter bewertet. Wie kann ich mich dagegen wehren?
- Meine Motivation und Energie sind im Keller und ich frage mich, ob ich so das Studium noch bewältigen kann.
Habe ich das richtige Studienfach gewählt?
Herr A. meldet sich für eine Beratung an, da er seit einigen Monaten an seiner Studienwahl zweifelt. Er befindet sich im 2. Semester Architektur und kann sich kaum noch für sein Studium begeistern und zu den anstehenden Aufgaben aufraffen. Auf die Frage, was er sich von der Beratung erhoffe, kann er nur sagen, dass er irgendwie schauen möchte, ob er das „Richtige“ studiere oder nicht doch lieber etwas anderes anfangen solle.
Im Beratungsprozess wird schnell deutlich, dass Herr A. bereits bei der Studienwahl Zweifel gehabt hat und letztlich Argumente aus seinem familiären Umfeld dafür ausschlaggebend gewesen sind. Er habe jedoch schon damals den Wunsch verspürt, sich mit Sprachen zu beschäftigen und eventuell Germanistik zu studieren.
Der Berater erarbeitet mit Herrn A., dass dieser sich verschiedene Vorlesungen zu literaturwissenschaftlichen Themen anhören könnte, um einen Eindruck zu bekommen, ob ihm diese Studienrichtung besser gefällt. Herr A. geht wie vereinbart in diese Veranstaltungen.
Danach ist Herr A. begeistert und verunsichert zugleich. Ihm wird bewusst, wieviel ihm die Auseinandersetzung mit Literatur eigentlich bedeutet. Aber er befürchtet auch, dass seine Eltern mit Unverständnis reagieren könnten, wenn er ihnen von seinem Plan erzählt, das Studium zu wechseln und nun etwas „Schöngeistiges“, wie er es nennt, zu studieren.
Der Berater gibt Herrn A. Gelegenheit, seine Befürchtungen, aber auch seine Wünsche für die Zukunft einander gegenüberzustellen. Herr A. wird klar, dass er um ein Gespräch mit seinen Eltern nicht herumkommt. Als Vorbereitung wird dieses Gespräch in einem Rollenspiel geübt.
Herr A. entschliesst sich, jetzt das Gespräch mit seinen Eltern zu suchen und berichtet, dass sie sehr positiv reagiert hätten und ihn entgegen seiner Befürchtungen unterstützen würden.
Es wird verabredet, dass Herr A. sich meldet, falls er noch eine Beratungssitzung in Anspruch nehmen möchte. Sechs Monaten später meldet er zurück, dass er mittlerweile Germanistik studiere und es ihm sehr gut gefalle.
Wie kann ich meine vielseitigen Interessen im Studium und Privatleben besser verwirklichen und wie lässt sich dies in meinen Stundenplan integrieren?
Frau P. studiert im 3. Semester Sportwissenschaften mit dem Minor Geografie. Sie möchte mit der Beraterin die Studienplanung für das nächste Semester reflektieren und Ideen entwickeln für die zukünftige Studienorganisation. Bisher fühlte sich Frau P. durch das Studium zu wenig ausgefüllt. Sie fragt sich, wodurch sie mehr herausgefordert würde.
Sorgfältig exploriert die Beraterin mit Frau P. den gewünschten Zielzustand. Frau P. berichtet, dass sie vielseitige Interessen hat, die sie im Studium und im Privaten vermehrt ausleben möchte. Sie würde gerne noch einen zweiten Minor in Betriebswirtschaftslehre belegen und - im Hinblick auf ein mögliches Austauschsemester - Spanisch- und Französisch-Sprachkurse besuchen. Sie wünscht sich einen Nebenjob im Rahmen eines 20 %-Pensums und fasst nach dem Bachelorstudium ein Zwischenjahr mit Praktika ins Auge.
In einem nächsten Schritt bespricht die Beraterin mit Frau P. den Stundenplan für das nächste Semester: Welche Zeiten sind fest verplant? Welche Zeitfenster sind noch frei? Was hat sie bisher in diesen Zeitfenstern gemacht? Was davon möchte sie beibehalten und wo kann sie sich neuen Herausforderungen stellen? Was benötigt sie, um ihre Ideen wie die Belegung eines Sprachkurses oder die Suche nach einem passenden Nebenjob umsetzen zu können? Wer oder was könnte sie im Verlaufe des Semesters bei Schwierigkeiten unterstützen?
In der Auseinandersetzung mit diesen und ähnlichen Fragen kann Frau P. schliesslich konkrete nächste Schritte definieren. Zum Beispiel will sie mit der Studienfachberatung die Belegung eines zweiten Minors besprechen, sich über das Sprachkursangebot an der Universität Bern informieren und sich erkundigen, welche Möglichkeiten für Austauschsemester bestehen.
Die Beraterin erkundigt sich bei Frau P. nach dem aktuellen Zwischenstand: Werden die entwickelten Ideen ihr Bedürfnis nach neuen Herausforderungen stillen? Wird sie diese Ideen auch umsetzen können? Frau P. äussert bei beiden Fragen eine hohe Zuversicht und meint, dass die Beratung so abgeschlossen werden könne.
Frau P. kann sich jederzeit für einen Folgetermin anmelden, wenn sie ihre Fortschritte oder andere Anliegen zu einem späteren Zeitpunkt in einem Beratungsgespräch thematisieren möchte.
Ich schiebe immer alles vor mir her und komme dann unter grossen Zeitdruck - wie kann ich meine Zeit besser einteilen?
Frau D. studiert im 4. Semester Geografie. Sie kämpft seit der Gymnasialzeit mit dem Problem des Aufschiebens. Im Studium hat sich dies noch verstärkt: Sie bereitet Prüfungen in letzter Minute vor, gibt Arbeiten auf den letzten Drücker ab. Meist reicht es knapp, oft aber auch nicht, und sie musste auch schon etliche Nachholprüfungen schreiben. Frau D. will jetzt endlich etwas ändern und sich eine effiziente Arbeitsweise aneignen.
In der Beratung geht es darum, die Gründe für diese Aufschiebe-Tendenz herauszufinden: Ist es übertriebener Perfektionismus? Oder Bequemlichkeit? Oder liegen dem Aufschieben Selbstzweifel zugrunde? Dies wird mittels eines Tests ermittelt. Es stellt sich heraus, dass bei Frau D. vor allem die Selbstzweifel ausgeprägt sind, die sie daran hindern, eine Aufgabe anzupacken. Auf die Frage, welche Gedanken sie denn habe in Situationen, wo sie aufschiebe, nennt sie: „Ich bin einfach zu dumm dafür“ oder „Das ist viel zu viel Stoff, das schaffe ich nie“.
Die Beraterin regt an zu überlegen, wie sich solche Gedanken positiv umformulieren lassen. Ausserdem empfiehlt sie Frau D., an der konkreten Umsetzung eines Wochenplans zu arbeiten und ihn mit verschiedenen Tätigkeiten zu füllen (Uni, Nebenjob, Hobby und Lernzeit). Frau D. macht sich an diese Planung und kann sich nach einigen Anfangsschwierigkeiten ziemlich gut daran halten.
Es kommt aber immer wieder zu Rückfällen in alte Muster, und Frau D. kommt deshalb mehrmals in die Beratung. Nach einem halben Jahr kann Frau D. eine deutliche Verbesserung ihres Zeitmanagements feststellen, und die Beratung wird vorläufig abgeschlossen.
Wie kann ich meine Prüfungsangst bewältigen?
Herr L. studiert im 3. Semester Soziale Arbeit an der Fachhochschule. Er meldet sich für eine Beratung an, weil er jeweils 1-2 Wochen vor den Semesterprüfungen mit blockierenden Versagensängsten konfrontiert ist. Wenige Tage vor den Prüfungen seien dann seine Angstsymptome (grosse Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten, Versagensgefühle, Appetitlosigkeit) so ausgeprägt, dass er nur noch wenige Stunden schlafen könne. An der Prüfung selbst sei die Angst etwas kleiner und er habe bis jetzt alle Prüfungen knapp bestanden. Er befürchte jedoch, dass er so den Leistungsanforderungen der Fachhochschule längerfristig nicht genügen könne.
In der Beratung wird Herrn L. klar, dass seine Angst zu einem grossen Teil mit mangelnden Lern- und Selbstorganisations-Fertigkeiten während der Prüfungsvorbereitungszeit zusammenhängt. Eine für ihn geeignete Lernmethode und eine bessere Zeiteinteilung anhand eines Wochenplans helfen ihm, den Stoff frühzeitig in Angriff zu nehmen und sich für die Prüfungen besser vorbereitet zu fühlen.
Zudem zeigt sich in der Beratung, dass Herr L. am Ende des Gymnasiums aufgrund familiärer Probleme grosse Schwierigkeiten hatte, die Schulleistungen zu erbringen und sich oft als „Versager“ fühlte. Diese innere Überzeugung war bei ihm sehr ausgeprägt. „Ich kann das sowieso nicht. Ich werde die Prüfungen nicht schaffen. Ich bin zu dumm.“ In der Beratung kann er solche dysfunktionalen Gedanken identifizieren, hinterfragen und durch hilfreichere ersetzen.
Als Herr L. sich erneut auf die Prüfungen vorbereiten muss, berichtet er von einer deutlichen Abnahme seiner Angstsymptome. Auch wenn diese nicht gänzlich verschwunden sind, so hat Herr L. doch mit Hilfe der Beraterin Strategien gefunden, wie er damit umgehen und sich besser auf das Lernen konzentrieren kann. Herr L. beendet somit die Beratung.
Welche Tätigkeitsfelder stehen mir nach Studienabschluss offen?
Frau M. steht kurz vor Abschluss ihres Studiums (Monofach Deutsch, Sekundarstufe II). Sie kommt in die Beratung um zu besprechen, welche beruflichen Möglichkeiten ihr offenstehen, wenn sie nicht als Lehrerin arbeiten will. Sie könnte sich vorstellen, z.B. für eine Zeitung zu schreiben oder nur teilzeitlich zu unterrichten und daneben in der Forschung tätig zu sein. Auch andere Tätigkeitsfelder wären für sie denkbar, nur weiss sie nicht, welche und wie sie sich darüber informieren könnte. Die meisten Tätigkeiten traut sie sich aber gar nicht zu.
Nachdem Frau M. in einem ersten Schritt ihre Interessen, Jobvorstellungen sowie ihre Kompetenzen und Erfahrungen erkundet hat, lernt sie Möglichkeiten kennen, wie sie sich über Tätigkeitsfelder informieren kann. Die Beraterin empfiehlt ihr, auch regelmässig verschiedene Stellenbörsen zu konsultieren, um einen Überblick über den Arbeitsmarkt und die Stellenprofile zu erhalten und um herauszufinden, welche Stellenbörsen für sie passende Jobs anbieten.
Die Beraterin bespricht dann mit Frau M. ihr Bewerbungsdossier und macht sie darauf aufmerksam, was sie optimieren könnte und was bei einem Motivationsbrief zu beachten ist. Sie gibt auch Tipps, wie sie sich gezielt auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten kann.
Frau M. nimmt sich vor, verschiedene Gymnasien für Stellvertretungen anzuschreiben und sich gleichzeitig auf ausgeschriebene Stellen in unterschiedlichen Bereichen zu bewerben. Sie möchte zudem Kontakt aufnehmen mit diejenigen Organisationen, die sie am meisten interessieren. Dazu kann sie verschiedene Vorgehensweisen wählen wie z.B. das informelle Interview oder die Initiativbewerbung, und sie kann ihr bestehendes Netzwerk nutzen.
Die ersten beiden Bewerbungen kann Frau M. mit der Beraterin telefonisch besprechen, um Sicherheit im Bewerbungsprozess zu erlangen. Nach wenigen Wochen findet sie eine Anstellung als Journalistin in einem Medienunternehmen.
Der Betreuer meiner Arbeit kommt mir zu nahe, aber ich traue mich nicht, ihm Grenzen zu setzen, weil ich befürchte, dass er dann meine Arbeit schlechter bewertet. Wie kann ich mich dagegen wehren?
Frau B., Studentin im 7. Semester, schildert im Erstgespräch, dass sie sich durch den Betreuer ihrer Bachelorarbeit sexuell belästigt fühle. Er lege die Besprechungstermine ihrer Arbeit immer gegen Abend, diskutiere die Texte dann mit ihr am Bildschirm seines Computers, wobei er ihr körperlich unangenehm nahe komme. Einmal habe er sich über ihren Körpergeruch geäussert, er sei so blumig und inspirierend. Dazu erzähle er ihr aus seinem Privatleben und frage nach dem Ihrigen. Nun habe er ihr per Mail vorgeschlagen, nach der nächsten Besprechung zusammen ins Kino zu gehen.
Die Beraterin versucht, sich durch sorgfältiges Nachfragen ein Bild der Situation zu machen. Das Verhalten des Betreuers beeinträchtigt Frau B. stark. Sie frage sich, ob sie etwas zu seinen Annäherungsversuchen beigetragen habe, überlege sich vor den Besprechungen, was sie anziehen solle, und versuche, möglichst wenig von sich preiszugeben. Sie fühle sich befangen, achte auf körperliche Distanz und könne sich in den Besprechungen kaum mehr konzentrieren. Dies führe dazu, dass der Betreuer immer mehr interveniere und bestimme. Bisher habe sie sich nicht getraut, ihn auf sein Verhalten anzusprechen. Sie befürchte, dass er ihre Arbeit dann schlechter betreuen und bewerten würde. Zudem habe sie grosses Interesse an seinem Forschungsgebiet und hätte eigentlich ihre Masterarbeit bei ihm schreiben wollen.
Die Beraterin bestärkt Frau B. in ihrer Wahrnehmung, dass der Betreuer mit dem geschilderten Verhalten den Rahmen seines Auftrages klar überschreitet. Sie empfiehlt ihr, die Vorfälle aufzuschreiben und seine Mails zu speichern und auszudrucken. Sie zeigt ihr auch verschiedene Möglichkeiten auf, wie sie sich zukünftig abgrenzen könnte, von der persönlichen Abgrenzung über den Einbezug des Vorgesetzten bis hin zu einer Klage.
Frau B. entscheidet sich dazu, den Betreuer schriftlich zu konfrontieren. In einem Brief beschreibt sie sein von ihr beanstandetes Verhalten und was dieses bei ihr auslöst. Sie fordert von ihm, sich in Zukunft an den Rahmen der beruflichen Beziehung zu halten, und schlägt ihm vor, das Geschehene und die zukünftige Beziehungsgestaltung im Rahmen eines von einer Fachperson begleiteten Gespräches auf der Beratungsstelle zu besprechen. Der Betreuer ist mit dem Vorschlag einverstanden.
Nach diesem Gespräch ist Frau B. mit dem Erreichten zufrieden. Ein Betreuerwechsel erübrigt sich. Sie will ihre Arbeit möglichst rasch beenden und das Ganze hinter sich lassen.
Meine Motivation und Energie sind im Keller und ich frage mich, ob ich so das Studium noch bewältigen kann.
Frau V. befindet sich im 2. Semester ihres Masterstudiums und kommt in die Beratung, weil ihr in den letzten Wochen einige Themen über den Kopf gewachsen sind und sie zunehmend erschöpft ist und Mühe hat, sich für den Alltag und anstehende Aufgaben im Studium aufzuraffen. In der Beratung wird gemeinsam geschaut, woher diese Belastungen kommen und wie sie sich äussern. Recht schnell wird Frau V. deutlich, dass sie in den letzten Monaten viele einschneidende Veränderungen erlebt hat (Wechsel ins Masterstudium, Trennung vom Freund, Umzug in eine neue WG und Wegfall von vielen Hobbies aufgrund der Lernbelastungen) und sie sich wenig Erholung und Zeit zum Entspannen gegönnt hat.
Mit Hilfe der Beraterin erarbeitet Frau V. die Einsicht, dass ihre Erschöpfung eine normale Reaktion auf diese Veränderungen ist, und überlegt sich Schritte der Selbstsorge. Frau V. macht einen Plan für die kommenden Wochen, um neben all ihren Verpflichtungen auch wieder aufzutanken, schönen Dingen nachzugehen und sich für Umgesetztes zu belohnen. Sie erfüllt sich auch den schon lange gehegten Wunsch, einen Tanzkurs zu besuchen. Dies alles führt innerhalb von wenigen Wochen zu einer Verbesserung ihrer Energie.
Dann meldet sich der Ex-Freund erneut und will wieder mehr Kontakt. Die Beraterin unterstützt Frau V. dabei, ihre Gefühle zu ordnen. Frau V. schreibt ihrem Ex-Freund einen Brief, der ihr hilft, mit ihren Gefühlen besser umzugehen und einen guten Schlussstrich zu ziehen. Insgesamt ist Frau V. zu fünf einstündigen Beratungssitzungen gekommen und verabschiedet sich mit den Worten, dass sie nun „mehr Sorge tragen könne zu sich und ihren Bedürfnissen.“