Gedanken aus Beratungssicht
Der Studienbeginn als Übergangszeit
Der Studienbeginn ist eine Übergangszeit, in der Studierende mit vielen Fragen und Schwierigkeiten in verdichteter Form beschäftigt sind. Die meisten beginnen das Studium unmittelbar oder ein Jahr nach der Matura mit 18 – 21 Jahren. Vom Alter und von der persönlichen und beruflichen Entwicklung her befinden sie sich in der Endphase der Adoleszenz, einer Lebensphase deren wichtigste Entwicklungsaufgaben sich mit folgenden Stichworten (1) umreissen lassen:
- Körperwachstum und -akzeptanz
- Sexuelle Identität
- Beziehungserleben und Konfliktlösung in der Gruppe Gleichaltriger (Peer-Group, Clique)
- Ablösung von den Eltern (Macht/Ohnmacht)
- Berufliche Entscheidungen; Möglichkeit, finanziell unabhängig zu werden
- Eigene Wertentwicklung im gesellschaftlichen Rahmen
Ausgelöst durch die Studienwahl und den Wechsel an die Hochschule intensiviert sich in der Regel die Auseinandersetzung mit einigen dieser Themenbereiche. Nicht selten brechen dabei frühere Lösungen auf, müssen neue Antworten gesucht und gefunden werden.
In dieser Phase der persönlichen Neuorientierung setzen sich Studierende intensiv mit sich selbst und ihrem neuen Umfeld auseinander. Sie probieren Vieles aus und wollen schauen, was ihnen die für sie neue Lebenswelt und -phase bringt. Ihre Eigenständigkeit ist ihnen dabei wichtig, was mit ein Grund dafür ist, dass sie eher selten offizielle Beratungssituationen aufsuchen. Dazu kommt, dass sich ihr Bedürfnis nach Information in den ersten Tagen und Wochen fortlaufend verändert.
Vor diesem Hintergrund ist das langjährige Engagement der Beratungsstelle zu verstehen, Erstsemestrigen einen an ihren Bedürfnissen orientierten Zugang zu Information zur Verfügung zu stellen, sie auf mögliche Schwierigkeiten beim Studienbeginn anzusprechen und ihnen Hinweise zur Selbsthilfe zu geben; aber auch deren Grenzen anzusprechen und Möglichkeiten der Beratung aufzuzeigen.
Mit den Online-Informationen zum Studienbeginn wollen wir den individuell unterschiedlichen, in der Regel kurzlebigen und wechselnden Informationsbedürfnissen Erstsemestriger Rechnung tragen und ihr Bedürfnis nach Autonomie respektieren. Im Internet können sie Informationen selbst und genau dann abrufen, wenn sie diese brauchen.
(1) Egon Garstick, Gisela Leyting, PsychoanalytikerInnen Zürich: Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz, Zusammenstellung für ein Seminar am Psychoanalytischen Seminar Bern, „Plötzlich so fremd im eigenen Haus“, 1997
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